An Blockaden arbeiten - Massagen nach Dr. Pressel

Leitung: Dr. phil. Annette Robert


Die Strömungsmassage nach Dr. Simeon Pressel   („Presselmassage“) 

„... Es gibt nur einen Tempel in der Welt und das ist der menschliche Körper...“ (Novalis) 



Entstehung

Die Strömungsmassage nach Dr. Simeon Pressel wurde von dem Stuttgarter Arzt Dr. Simeon Pressel (1905-1980) entdeckt und basiert auf dem Menschenbild, das von Rudolf Steiner für die erweiterte Heilkunde entwickelt wurde. Der Mensch wird dabei ganzheitlich – sowohl diagnostisch als auch therapeutisch – in seiner Einheit von Leib, Seele und Geist betrachtet.

Dr. Pressel massierte sein Leben lang seine Patienten selbst und hat seine auf lebendige Beobachtung fußenden Erkenntnisse in seinem Band „Bewegung ist Heilung“, Verlag Freies Geistesleben (1984), veröffentlicht. 

Wirkung 

Bei der Anwendung der Massage wird durch die spezifische Behandlung der Muskeln eine Belebung aller Organe und darüber hinaus eine Stärkung des psychisch/geistigen Bereichs bewirkt. Die zunehmende Verhärtung des menschlichen Körpers und der Mangel an Durchlässigkeit der Muskulatur verhindern das Fließen der Lebensströme. Durch rythmische Bewegungen wird Gestautes wieder zum Fließen gebracht. Dabei werden die Selbstheilungskräfte des Menschen angeregt und gestärkt. Das hierdurch wiedergefundene Lebensgefühl wirkt sich positiv auf den leiblichen Organismus, wie auch auf die seelische Ebene des Menschen aus. Durch das neu erlebte Harmonie- und Gleichgewichtsgefühl wird der Mensch dahin geführt, mit mehr Mut und innerer Kraft, in größerer Eigenbeteiligung, sein Schicksal anzugehen und notwendige positive Veränderungsprozesse einzuleiten. 

Konzept und Durchführung 

Um die Krankheit von innen zu überwinden durch die Stärkung der Selbstheilungskräfte bedarf es der Anregung des sogenannten „rhythmischen (mittleren) Systems“, das - nach dem anthroposophisch-medizinischen Menschenbild – harmonisierend zwischen dem „oberen“ Nerven-Sinnes-Bereich und dem („unteren“) Stoffwechselsystem wirkt. Zu diesem Zwecke wird in rhythmisch strömender Bewegung einmal der untere Bereich des menschlichen Körpers (Waden/Kreuz/Hüfte) und beim nächsten Durchgang, im allgemeinen nach einer Woche, der obere Teil (Rücken/Arme/Nacken) massiert. Dem Muskelleib werden dabei durch lebendige Griffqualitäten urbildliche Formen (Spiralen und Lemniskaden) in rythmisch-musikalischer Weise einmassiert, wobei die Qualitäten der Planetenwelt richtungweisend sind. 

Der Aufbau der Massage erinnert mit ihrer Einführung, Durchführung und dem Abschluss an eine musikalische Komposition. Die Behandlung ist durch einen geordneten Ablauf gekennzeichnet, der je nach Fall variiert und individuell abgewandelt werden kann. Eine entsprechende Nachruhe schließt sich an und gehört zur Behandlung. 

Von großer Wichtigkeit ist die die Massagearbeit begleitende Durchwärmung des Patienten (Wärmeflasche, Wollsocken und -decken), die den heute oft in Mitleidenschaft gezogenen Wärmeorganismus stärkt und der häufigen Unterkühlung entgegenwirkt. 

Die manuelle Therapie wird in der Regel unterstützt durch in die Behandlung integrierte, andere Therapieverfahren, wie das Schröpfen mit Schröpfgläsern, Organeinreibungen (das jeweilige Organ wird zu harmonisierender Aktivität angeregt) oder Wickel. 

Die Strömungsmassage nach Dr. S. Pressel ist eine Heilbehandlung, für die ein Zeitraum von jeweils anderthalb Stunden zur Verfügung stehen sollte. 

Anwendungsgebiete 

Die Auswirkung der Massage, für die es wenig Kontraindikationen gibt, ist sowohl im salutogenetisch – hygienischen, also vorbeugend/Gesundheit erhaltenden, wie auch im therapeutischen (heilenden) Bereich anzusiedeln:

  • sie schafft einen Ausgleich der Gegensätze, sowohl bei Über- als auch bei Unterfunktionen (z.B. Blutdruck, Stoffwechselstörungen, Herzerkrankungen) 
  • Linderung von chronischen Krankheiten des Stoffwechsels, Herz- und Lungenkrankheiten, Nerven- und Gemütskrankheiten (z.B. Rheuma, Fibromyalgie, Multiple Sklerose) 
  • präkanzeröse und kanzeröse Erkrankungen 
  • Allergien und Immunschwäche 
  • Suchtkrankheiten 
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates 
  • Menstruationsstörungen 
  • Stärkung der Gedächtniskraft und der geistigen Arbeitskraft 
  • Stärkung des Willens, des Fleißes, der Entscheidungsfähigkeit, der Durchhaltekraft für Familie, Ehe und Beruf. 



Die Massage ist in allen Altersklassen anwendbar, auch für Kinder und Jugendliche sehr geeignet. 

Preise und Erstattung 

Die individuellen Behandlungskosten belaufen sich in der Praxis in Offenburg auf 35.- Euro und im Therapeutikum in Karlsruhe auf 45.- pro Therapieeinheit. Familienvergünstigungen sind möglich. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen erstattet. 



Dr. phil. Annette Robert 

Presselmasseurin, Waldorflehrerin 

Behandlungen im Therapeutikum der Freien Kulturschule e.V. Karlsruhe und in der eigenen Praxis in Offenburg 

Termine nach Vereinbarung Tel. 0781-2507002 (mo,di,mi von 8.30-9.00 Uhr)


Charakteristik und Ausbildung

Im folgenden wird versucht, einen Überblick über das Wesen der Massage und ihrer Vermittlung zu geben.

I. Was ist das Wesen der Massage nach Dr. Simeon Pressel?

1. Entstehung und Hintergründe der Massage.

Die Massage wurde durch den Stuttgarter Arzt Dr. Simeon Pressel (1905-1980) in russischer Gefangenschaft entwickelt. Dr. S. Pressel kannte u.a. durch eigene Erfahrung die klassische schwedische Massage als hilfreiche Therapie in seiner Jugendzeit. Darüber hinaus war er der durch Rudolf Steiner impulsierten erweiterten Medizin begegnet, hatte sich dem Studium des anthroposophischen Menschenverständnis gewidmet und sein Massagemodell auf ihrer Basis entwickelt. Ergänzend kamen später noch die Erfahrungen seiner 2. Frau Lies Pressel hinzu, die die rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegmann erlernt hatte(1), sowie die Mitarbeit der Ärztin Gretl Stritzel (2). Dr. Pressel hat alle seine Patienten selbst massiert. Hierdurch war ihm neben dem heilenden Aspekt – sein Therapieansatz hatte die Harmonisierung und Stärkung der physischen, ätherischen und seelisch-geistigen Kräfte des Menschen zum Ziel - auch eine erweiterte Diagnosemethode möglich. Er hat die Erfahrungen und Erkenntnisse seines Heilwirkens nicht in einem Grundlagenwerk niedergelegt, sondern berichtete in verschiedenen Essays seine Beobachtungen (3).


2. Aufbau der Massage vor dem Hintergrund des Menschenbildes Rudolf Steiners.

Das von S.Pressel entwickelte Massagemodell ist auf der Grundlage der geisteswissenschaftlichen Menschenkunde Rudolf Steiners zu verstehen. Dieses zeichnet sich aus

a) durch eine Dreigliederung des menschlichen Organismus in drei Funktionssysteme und

b) durch das Wissen um die ätherische Organisation der Lebenskräfte und die Ich-Kraft des Menschen, neben den üblichen Erkenntnissen über die leiblich-seelischen Dimensionen des Menschen.

ad a) So ist es wichtig, dass im Menschen fortwährend die abbauenden Kräfte des Nerven-Sinnes-Systems in einen rhythmischen Ausgleich kommen mit den aufbauenden Kräften der Stoffwechselprozesse. Auf diesem Ausgleich beruht die Gesundheit.
Das besondere der Massage ist es nun, dass sie durch die abwechselnde Bearbeitung des „unteren“ Menschen (Waden und Kreuzpartie), vornehmlich die abbauenden und reinigenden Kräfte anregt und bei der Massage des „oberen“ Menschen (Rücken, Schultern, Oberarme und Nacken) die aufbauenden Prozesse in Bewegung bringt. So wird der Polarität der beiden Systeme Rechnung getragen, woraus sich eine neue Kraft und Belebung für den mittleren Menschen und sein rhythmisches Systems ergibt.
R. Steiner macht deutlich, dass die heilende Kraft für den Menschen von diesem rhythmischen System ausgeht und dass seiner Stärkung eine umfassende Bedeutung zukommt.
„Denn es gibt ein grosses Geheimnis: Alle heilenden Kräfte liegen nämlich ursprünglich im menschlichen Atmungssystem. Und wer den ganzen Umfang des Atmens wirklich versteht, der kennt aus dem Menschen heraus die heilenden Kräfte. Nicht in den anderen Systemen liegen die heilenden Kräfte. Die anderen Systeme müssen selbst geheilt werden.“ (4)

ad b) R. Steiner sieht im Menschen vier verschiedene „Wesensglieder“, die jeweils den physischen, ätherischen, seelischen und geistigen Bereich umfassen. Die Massage folgt in ihrer zweiteiligen Ausführung den Strömen der Ätherkräfte, die in ihrem Ablauf als eine große Lemniskate verstanden werden können, die den ganzen Körper umfasst und ihren Schnittpunkt in der Kreuzpartie hat. Das rhythmische Gestalten der Griffe wirkt auf die Strömungen des Ätherleibs, sowie des Flüssigkeits- und Wärmeorganismus, ein. Die im Lebendigen wirkenden Kräfte des Patienten werden angeregt, einen Spannungsausgleich bei Ablagerungen, Stauungen und Schmerzen zu schaffen. Zwischen den beiden Massageeinheiten muss mindestens eine Nacht liegen. Ein wöchentlicher, abwechselnder Rhythmus ist den heilkundlichen Erfordernissen erfahrungsgemäß am besten angepasst.
Durch die Behandlung der Muskulatur werden die im Innern des Menschen wirkenden Organprozesse erreicht. Wird z. B. an der rechten Wade des Patienten gearbeitet, so besteht ein direkter Zusammenhang mit dem Herz- und Blutkreislauf, eine starke Verdichtung des Gewebes in dem linken Schulterbereich kann auf Herzprobleme deuten. So werden bei der rhythmischen Feinarbeit am Muskel Verhärtungspunkte, die sich in die Muskeln eingegraben haben und seine ursprüngliche Lockerheit und entspannte Beschaffenheit beeinträchtigen, wieder gelöst.

Die rhythmischen Formen der am Muskel arbeitenden Hände orientieren sich an den der Natur zugrundeliegenden urbildlichen Prozessen und Phänomenen: der Lemniskate und der Spirale. Hierzu gesellt sich die Siebenfältigkeit der Planetenwelt, deren Qualitäten in den Formen und Rhythmen des Massageablaufs, in den verschiedenen Bereichen des Muskelleibs und nicht zuletzt in der Griffqualität der massierenden Hand ihren Ausdruck finden. Dadurch ist die Massage eingebettet in einen„musikalischen Zusammenhang mit der Welt“, von der Rudolf Steiner immer wieder spricht als Grundlage für die Gesundheit unseres Bewegungsorganismus (5).
Der Aufbau der Massage selbst erinnert an eine musikalische Komposition mit Einführung, Durchführung und Abschluss sowie eigener Thematik für Bein- und Rückenmassage.

Eine weitere wichtige Bedeutung und ein nicht zu unterschätzendes Merkmal der Massage ist die ihr vorausgehende und sie begleitende Durchwärmung des Patienten. Die Erwärmung durch Wärmeflaschen, evtl. Heu- und Kräuterkissen, Wollsocken, Wollärmel und Wolldecken schaffen die Wärme-Grundlage, auf der die Massage aufbaut, um den heute durch Angst, Stress, Ernährung, Kleidung u.a.m. stark beeinträchtigten Wärmeorganismus zu aktivieren. Durch einen regelmäßigen Rhythmus in der Massagebehandlung kann die Eigenwärme angefacht werden und die Basis bilden, auf der die Ich-Organisation ihre Arbeit, die Wesensglieder zu durchdringen und zu integrieren, wieder leisten kann. Die Ich-Organisation nimmt beim Gesundheitsprozess eine zentrale Rolle ein.


3. Auswirkungen der Massage

Die Massage bewirkt, dass die Regionen, aus denen sich die lebendigen Prozesse zurückgezogen haben, wieder in die gesunde Zusammenarbeit des Gesamtorganismus einbezogen werden. Der Patient empfindet gleich nach der ersten Massage-Behandlung ein entspanntes Wohlbefinden, eine tiefe Durchwärmung. Diese Wirkungen steigern sich mit den weiteren Behandlungen. In der Regel stellt sich nach 10-12 Massagen eine Konsolidierung der im Lebendigen wirkenden Aufbaukräfte ein. So kann die Massage im hygienischen Bereich angewendet werden, wo es um Erhaltung, Stärkung und Vorbeugung der Gesundheit geht. Sie stellt ein ausgezeichnetes Instrument im salutogenetischen Bereich dar.
Im Krankheitswesen werden Unter- und Überfunktionen ausgeglichen und vor allem chronische Krankheiten angegangen, z.B. im Stoffwechselbereich, bei Herz- und Lungenkrankheiten, Nerven- und Gemütskrankheiten. Allergien und Immunschwächen, Suchtkrankheiten und Erkrankungen des Bewegungsapparates, Stress- und Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit, sowie depressiven Verstimmungen werden heilende Gegenkräfte zugeführt; Ausdauer und Energie in der Alltagsbewältigung stellen sich wieder ein. Hier kommt die therapeutische Wirkung der Massage voll zum tragen.
Neben dem kraftspendendem Aufbau im physischen und ätherischen Bereich werden auf der geistig-seelischen Ebene folgende Veränderungen wahrgenommen: die Denkkräfte werden klarer, die Entschlussfähigkeit wächst, die Willensimpulse kommen zur Durchführung und die Herzenskräfte werden stärker.
Dr. Pressels Massagekonzept erreicht schließlich die Schicksalssphäre des Menschen, indem durch die Beinmassage die Vergangenheit aufgearbeitet werden kann, mit der Rückenmassage hingegen Zukunftsimpulse einfliessen können und schließlich durch die indirekt bewirkte Stärkung des rhythmischen Systems, also der Herz- und Atemtätigkeit, im Jetzt die Möglichkeit des Neubeginns, der Initiative gegeben ist. Je nach der vorliegenden biographischen Situation liegen hier reiche salutogenetische Möglichkeiten.


II. Ausbildung der Masssage nach Dr. S. Pressel

1. Die Schule

Die Ausbildung erfolgt in Offenburg vom „Instituto Hygiena“ , das seinen Sitz in Plasencia in Spanien hat.
Ausbildungsleiter ist Dr. med. Florencio Herrero, Facharzt für Allgemeinmedizin und Schularzt an verschiedenen Waldorfschulen; Ausbilder der anthroposophischen Ärzte in Spanien; Kursleiter der Massageausbildung in Spanien, Portugal, Kolumbien und Baden-Württemberg; Massage – Anwendungen in eigener Praxis durch seine Mitarbeiterin
Frauke Elsner, langjährige Therapeutin und praktische Ausbildnerin im „Instituto Hygiena“, assistiert durch Dr. phil. Annette Robert, Presselmasseurin in eigener Praxis in Offenburg und tätig im Therapeutikum der Freien Kulturschule in Karlsruhe in Zusammenarbeit mit anthroposophischen Ärzten (www.freie-kulturschule-ka.de).


2. Allgemeine Aufnahmekriterien

Als Mindestalter werden 25 Jahre angesetzt; wichtig ist ein angemessener seelischer und körperlicher Gesundheitszustand; das Interesse an dem anthroposophischen Menschenbild und der Anthroposophie im allgemeinen wird erwartet; Qualifikationen im Gesundheitsbereich (Arzt, Heilpraktiker, Masseur/Physiotherapeut, Krankenschwester, usw.) sind erwünscht, aber nicht Voraussetzung. Heileurythmisten, Pädagogen, Heilpädagogen, Kunsttherapeuten, u.a., aber auch interessierte Laien, die im Rahmen der Familie und im Freundeskreis tätig werden wollen, sind ebenfalls willkommen.

Teilnehmerzahl: 8-12 Personen
Die Kursgebühren betragen pro Kurseinheit 450.- €.


3. Aufnahmebedingungen

– Handschriftlicher Lebenslauf mit bisherigen Qualifikationen und Motivationsdarstellung
– Aufnahmegespräch mit den Ausbildungsleitern (Arzt und Masseurin), was oftmals erst am Kursbeginn möglich ist, wenn die Teilnehmer von weither kommen.




4. Zeitlicher Verlauf der Ausbildung

Die Ausbildung zum/r Presselmasseur/in ist eine berufsbegleitende Ausbildung. Die Gesamtausbildung umfasst 9 Kurse, die im Verlauf von 3-4 Jahren, möglichst in den Ferienzeiten Baden-Württembergs abgehalten werden. Im Durchschnitt wird von 400-430 Unterrichtsstunden ausgegangen. Die Kurse dauern in der Regel eine Woche. Jeder Kurs ist in sich abgeschlossen. Die ersten zwei Kurse werden als Probekurse angesehen. Neuzugänge sind nur bis zur 2. Kurseinheit einschließlich erlaubt, da ein Gruppendynamismus mit bereits therapeutischen Auswirkungen entstehen soll. Gespräche zwischen Arzt/Massageausbildnerin stellen die Voraussetzungen für eine weitere Teilnahme dar. Hinzukommen übende, praktische Massage-Ausführungen in den Zeiten zwischen den Kursen, deren Erfahrungen im jeweils folgenden Kurs im Gesprächsaustausch mit Arzt und Massage-Ausbildnerin dargestellt und erörtert werden.
Sehr wünschenswert ist weiterhin ein am jeweiligen Heimatort oder in der Nähe angesetzter regelmäßiger Massage-Austausch zwischen den angehenden Presselmasseur/innen und/oder mit bereits diplomierten Presselmasseur/innen.



5. Struktur der Kurse und Ausbildungsinhalte

Der Aufbau der Kurse beruht auf drei Säulen:


a) künstlerische Tätigkeit (Eurythmie, Formenzeichen, Musik)
b) Vortrag und Aussprache zum Themenkreis (Dr. Florencio Herrero)
c) Erüben der Massage-Praxis (Frauke Elsner und Dr. Annette Robert)

Die künstlerische Tätigkeit, die theoretischen Inhalte und die Massagepraxis sind aufeinander abgestimmt, sodass jede Aktivität von den anderen beiden ergänzt und vertieft wird.


ad a) künstlerische Tätigkeit

Jeder Kurs beginnt am Morgen mit einer künstlerischen Aktivität. Sie führt die Schüler in den Bereich, für den - laut Dr. Pressel – der/die Masseur/in sich öffnen sollte: in die Wärme und Freude. Gleichzeitig stellt sich die erste wichtige Erfahrung ein, nämlich die Begegnung mit den eigenen körperlichen und seelischen Unzulänglichkeiten. Ausserdem wird in dieser Tätigkeit der erste Schritt zum Miteinander getan, was für den gegenseitigen Austausch in der Massagepraxis am Nachmittag ein guter Auftakt ist.
Die Leiterin des praktischen Teils nimmt sowohl an dieser Tätigkeit als auch an dem vorausgehendem Exposé der theoretischen Inhalte teil.


ad b) theoretischer Teil

Die theoretischen Inhalte der gesamten Ausbildung befassen sich mit folgenden Themen:

1. Stufe: Einführung (Kurse 1-3)

– Salutogenese und Geisteswissenschaft
– Drei- und Viergliedrigkeit des Menschenwesens
– Ab- und Aufbauprozesse (Tag- und Nachtmensch)
– Konstitutionstypen
– 4 Temperamente; 4 Ätherarten
– Muskelleib und Planetenwelt
– Wirbelsäule und 12 Aspekte des Tierkreises



2. Stufe: Die Massage als hygienische und präventive Gesundheitsmassnahme (Kurse 4-6)

– Die vier Hauptorgane. Das Herz als archetypisches Organ
– Die 7 Lebensprozesse. Lernprozesse in 7 Schritten
– Lebensphasen in Jahrsiebten: Biologische, seelische und geistige Aspekte
– Konstitutionelle Prädispositionen: Hysterie und Neurasthenie. Beschreibung von Patienten.

3. Stufe: Die Massage als therapeutische Massnahme (Kurse 7-9)

– Merkmale der chronischen Krankheiten. Beschreibung von Patienten
– Merkmale der psychosomatischen Krankheiten. Beschreibung von Patienten
– Der Schulungsweg des Therapeuten
– Die Beziehung: Therapeut-Patient


ad c) praktischer Teil

Im praktischen Teil am Nachmittag werden die Erfahrungen des Vormittags besprochen und in die Praxis umgesetzt.
Wichtiges Element der Massagepraxis nach Dr. Pressel ist die Wärme, an der sich nun auch der angehende Therapeut, der jetzt Patient ist, erfreuen kann. Es werden Wärmeflaschen, Wolldecken, Wollsocken usw. verteilt. Der Masseur sorgt für seine eigene Wärme an Händen und Füßen.
Der praktische Teil beginnt mit einer Demonstration der Bein- und Kreuzmassage durch die Kursleiterin. Im Laufe der Woche wird jeden Tag ein Schüler, vor allem, wenn er die Massage noch nicht kennt, von der Kursleiterin massiert, was gleichzeitig immer wieder die wirksamste Lehrmethode ist, da das „Modell“ sich als Bild einprägt und die Lernenden sich zunächst in einer Phase der Nachahmung befinden.
Die Massage wird durch gegenseitige Anwendung erübt, d.h., derjenige, der die Massage von einem Kursteilnehmer empfangen hat, übt sie in einem zweiten Schritt an demselben aus. Therapeutische Eigenschaften wie Schweigsamkeit, Aufmerksamkeit, Erfühlen, Ertasten, Entdecken, Geduld, Akzeptieren, Begleiten, Zurückhaltung, können von Anfang an auf beiden Seiten, dem Übenden und Empfangenden, geübt werden. Im Laufe der Kurswoche und besonders in fortgeschrittenen Kursen werden Dankbarkeit für die gegenseitige Zuwendung und das Verständnis für Unzulänglichkeiten stärker und schaffen ein Klima, das der Entwicklung von therapeutischen Fähigkeiten sehr zuträglich ist. Andererseits erleben die angehenden Masseure „am eigenen Leibe“ die Wirkungen der Massage und können in den zwischen den Kursen liegenden Übzeiten im Kreise der Familie und Freunde darauf zurückgreifen.

Da die Massage von Dr. Pressel in eine „Partitur“ gebracht worden ist, hat der angehende Masseur von Anfang an eine relative Sicherheit und darf der förderlichen Wirkung vertrauen, immer vorausgesetzt, dass er die wenigen Gegenindikationen kennt. In der Ausbildungszeit werden die Massagen grundsätzlich in ihrem hygienischen Aspekt ausgeübt. Hinweise, die das langsame und zunächst sanfte Einarbeiten in den unbekannten Muskelleib und dessen Reaktionen, den Rhythmus der Massagen (einmal wöchentlich, zweimal wöchentlich usw.), die verschiedenen Öle u.a.m. betreffen, bilden eine verlässliche Arbeitsbasis auch für den Anfang. Kursteilnehmer, die nach wenigen Kursen die Pressel-Massage in ihre Berufsarbeit mitaufnehmen wollen, stehen in engem Kontakt mit dem ausbildenden Arzt und der Masseurin.
In fortgeschrittenen Kursen beginnen die Schüler die erhaltene Massage zu charakterisieren, wobei sehr differenzierte Dinge zur Aussprache kommen, da das Gespür für Feinheiten wächst. Diese Art der Korrektur hat sich als förderlicher erwiesen als das vorzeitige Einschreiten der Kursleiterin. Diese lässt sich im übrigen auch massieren, weil nicht alles in der Ausbildung gesehen werden kann, sondern gefühlt werden muss.

Da die Erübung der Massage in fortgeschrittenen Kursen immer weniger Zeit in Anspruch nimmt, werden im praktischen Teil Fälle besprochen, die zunächst aus dem Erfahrungsbereich der Leiterin, aber in zunehmendem Maße auch von den Schülern kommen. Fragen zu schwierigeren Fällen werden vormittags mit dem ausbildenden Arzt besprochen. So sammelt sich ein reiches Material an, das der Erforschung der noch lange nicht genügend verstandenen und gewürdigten Massage von Dr. Pressel dienen kann. Im übrigen kann die Ausbildung der hier beschriebenen Schule auf einen einzigartigen Glückumstand bauen: Sie wurde von Anfang an von einem Arzt geleitet, der selbst seit vielen Jahren massiert wird und auf Erfahrungen am „eigenem Leibe“ zurückgreifen kann.



6. Kriterien zur Erlangung eines Abschlusszeugnisses

Kriterien zur Zulassung zum Abschlussverfahren sind die Teilnahme an den 9 Kursen und die zwischenzeitlich erbrachten praktischen Übeinheiten an Familienmitgliedern und Freunden.
Dies sollte genauestens dokumentiert werden.
In den letzten beiden Kursen der Ausbildungszeit ist es den Kursleitern möglich, sich schon ein Bild von der Qualifikation des angehenden Masseurs und Therapeuten zu machen, da auch in der Zwischenzeit immer wieder Gespräche, gegebenenfalls auch ärztliche Behandlung, sowie Austausch über Veränderungen in den Lebensumständen, über Zukunftspläne usw. stattgefunden haben.

Im letzten Kurs wird eine Abschlussarbeit von den jeweiligen Kursteilnehmern präsentiert.
Es handelt sich dabei um die Darstellung eines Falles, an dem sowohl das Verständnis des anthroposophischen Menschenbildes als auch die übermittelten Inhalte des theoretischen Teils sowie die Beobachtungsfähigkeit und die Massnahmen des Masseurs deutlich werden. Ihre Präsentation dient allen Kursteilnehmern zur Erweiterung ihrer Kenntnisse, ihres Urteilsvermögens und ihrer Fähigkeiten als Therapeut und wird eingehend besprochen und von dem ausbildenden Arzt begutachtet. Aufgrund des befriedigenden Ergebnisses wird ein Diplom von der Massageschule „Instituto Hygiena“ ausgestellt. Dieses Diplom berechtigt u.a. dazu, an den Vervollkommnungskursen teilzunehmen. In diesen vertiefenden Kursen für diplomierte Presselmasseur/innen werden spezielle Pathologien (z.B. Krebs, Rheuma, Fibromyalgie) behandelt, die durch die Presselmassage gewinnbringend beeinflusst werden können. Dabei wird auch die Massagepraxis neu angeschaut, verbessert und erweitert und der/die Presselmasseur/in in seiner/ihrer Entwicklung begleitet.

Das zum Abschluss erworbene Diplom richtet sich nach den jeweiligen Qualifikationen des/der Teilnehmer/in. Diejenigen, die in in ihrem Bereich berechtigt sind heilkundlich tätig zu sein, wie z.B. Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Med. Masseure und Krankenpfleger/innen, erhalten ein Abschlusszeugnis über die Befähigung und Berechtigung zur Ausübung der therapeutischen Massage nach Dr. S. Pressel. Kursteilnehmer, wie z.B. Heilpädagogen, Heileurythmisten, Kunsttherapeuten u.a., aber auch die Laien, die im Rahmen der Familie und im Freundeskreis tätig werden wollen und die keine staatlich anerkannte medizinisch-therapeutische Ausbildung haben, die sie zu einer heilkundlichen Ausübung der Massage berechtigt, erhalten ein Abschlusszeugnis über die Teilnahme an den Kursen mit dem Hinweis, dass die Massage hygienischen Zwecken dient, bzw. eine notwendige Ergänzung und Erweiterung im Rahmen der Berufsausübung darstellt.

Epirrhema

Müsset im Naturbetrachten                                                                     Freuet euch des wahren Scheins,

Immer eins wie alles achten;                                                                  Euch des ernsten Spieles:

nichts ist drinnen, nichts ist draußen;                                                   Kein Lebendiges ist Eins,

Denn was innen, das ist außen.                                                              Immer ist's ein Vieles

So ergreiftet ohne Säumnis

Heilig öffentlich Geheimnis.                                                                     (J.W. Goethe, Gott und die Welt)


(1) Pressel, Elisabeth: Massage nach Dr. Simeon Pressel. Einblick in Hintergründe, Entwicklung, Durchführung und Wirkungsweise. In: Der Merkurstab, Heft 1, 2007, S. 45-49
(2) Stritzel, Gretl: Die Strömungsmassage nach Dr. med. Simeon Pressel. Mit einem Vorwort von Dorothea Friemel, in: Der Merkurstab, Heft 6, 2007, S. 560-565
(3) Pressel, Simeon: Bewegung ist Heilung. Der Bewegungsorganismus und seine Behandlung. Freies Geistesleben, 4. Aufl. 1998
(4) Steiner, Rudolf: Das Miterleben des Jahreslaufs in vier kosmischen Imaginationen, GA 229, Vortrag vom 13. Okt. 1923 in Dornach
(5) Steiner, Rudolf, zitiert in Pressel, Simeon, a.a.O.. S. 48



Frauke Elsner und Dr. phil. Annette Robert

Nächster Kursbeginn in Offenburg:

auf Anfrage



Kontakt:

Dr. Annette Robert
Im Schwarzwäldele 15
77654 Offenburg
Tel.: 0781-2507002
email@annetterobert.de


Kursangebot:

Fußmassage und Eurythmie

4 Kurseinheiten
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für Partner, Ehepaare, Pflegende, Mütter, Väter, sowie für andere Interessierte. Nähere Informationen siehe unter Veranstaltungen Vorblick